Eiszeit 2011

„Also, entscheide dich endlich wie du deine Miete bezahlen möchtest!“ sagt Krullstaart. „Entweder du schenkst mir alle deine Bahnhöfe, oder du musst auch noch auf deine letzte Strasse eine Hypothek aufnehmen!“

Verzweifelt schaut Snorrebaard auf die Uhr. Wann ist es endlich Mitternacht? Wenn es bloß schon zwölf Uhr schlagen würde. Nur so wäre die Runde Monopoly frühzeitig beendet und er würde aus seiner aussichtslosen Situation erlöst werden. Die Zeit jedoch scheint im Laufe des Abends immer träger voran zu schreiten. Standen die Zeiger der Uhr, als er das letzte mal am Start vorbei kam, nicht auch schon auf zwei vor Zwölf? „Krullestaart, hier stimmt etwas nicht“, sagt er. „Ich glaube, die Uhr ist stehen geblieben!“

„Ach Quatsch, ich habe letzte Woche erst die Batterien gewechselt.“

„Nein, aber wirklich… schalte doch mal den Fernseher an. Ich möchte sicher sein, dass wir  Mitternacht nicht verpassen.“

Auf dem Fernsehbild ist eine Uhr zu sehen, im Hintergrund ein Weihnachtsbaum. Auch auf dieser Uhr ist es zwei Minuten vor zwölf.

„Siehst du, alles in Ordnung,“ sagt Krullestaart zufrieden. „Also: Bahnhöfe oder Hypothek?“

„Aber schau doch mal genau hin: Sogar auf dem Fensehbild ist der Sekundezeiger stehen geblieben!“

„Was läuft denn auf den anderen Kanälen?“ fragt Krullestaart.

Hektisch zapt Snorrebaard herum. Im Zweiten spielt ein Orchester den ersten Satz aus Beethovens neunter Symphonie in Endlosschleife. Auf Pro 7 halten alle prominenten Persönlichkeiten, die zur Silvestergala eingeladen sind den Mund und rühren sich nicht.

Jetzt wird auch Krullestaart stutzig. „Was ist los? Es scheint, als ob die ganze Welt stehen geblieben ist.“ Er läuft zum Fenster und schaut zum Sternenhimmel hinauf. „Ob die Erde sich noch dreht?“ flüstert er. „Ich hab´s, lass uns durch das Annologoskop schauen! Vielleicht finden wir dann heraus, was hier vor sich geht!“

Schnell holen die beide Quatschtronauten das Gerät, mit dem sie letztes Jahr an Sylvester die subjektive Jahreswahrnehmung beobachtet hatten, aus dem Keller und bauen es vor dem Fenster auf. Krullestaart sucht durch das Objektiv den Himmel ab. „Ich glaube, dort am Firmament sollte unsere aktuelle Position auf der irdischen Zeitachse sichtbar sein…“

eiszeit 2011

„Unglaublich!“ ruft Krullestaart aus. „Nicht nur die Welt ist im Winterchaos versunken: Sogar die Zeitachse ist eingefroren!“

Snorrebaard schupst Krullestaart auf die Seite, so dass er selbst durch das Annologoskop schauen kann. Tatsache, 2011 wird von einer dicken Eisschicht bedeckt. „Könnten wir keinen Schneepflug hinauf schicken?“ fragt er.

„Die sind alle im Einsatz und räumen die normale Strassen. Für die Milchstrasse gibt es keine Kapazität.“

„Vielleicht können wir die Zeitachse enteisen? So wird das doch auch bei Flugzeugen gemacht.“

„Die Vorrattanks mit Enteisungsmittel sind alle leer und die Tanklaster mit Nachschub stecken auf der Autobahn fest.“

Snorrebaard schluckt. „Heisst das, wir müssen so lange Monopoly spielen, bis endlich Tauwetter einsetzt?“

Krullestaart lehnt sich entspannt zurück und lächelt „Weißt du, wir müssen ja nicht warten, bis die Zeitachse freigeräumt ist und uns geradlinig in der Zukunft führt. Komm, wir ziehen uns warm an, dann schlittern wir einfach ins neue Jahr hinein.“

Erleichtert räumt Snorrebaard das Spiel zusammen und zieht sich eine Mütze über die Ohren.

„Also dann, … einen guten Rutsch!

Die Quatschtronauten.

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