Annologie

„Was ist denn das?“ fragt Krullestaart ihren Freund Snorrebaard am Silvesterabend. „Ist das eine Vorrichtung um zu schauen, ob noch was in der Flasche drin ist?“

„Völlig daneben. Das hier, soll ein Teleskop werden. Die Seele der Flasche, das Brillenglas und die Lupe sind so ausgerichtet, dass ich damit heute Abend den Himmel ganz genau beobachten kann“

„Heute Abend? Wir wollten doch eine Runde spielen?“

„Spielen, spielen…. Jedes Jahr das gleiche Liedchen. Das Spielen kann warten. Um Mitternacht wird die Erde genau an dem Punkt im All vorbeifliegen, wo dieses Jahr in das nächste Jahr übergeht. Ich möchte beobachten, wie diese Stelle aussieht! Warte, ich schau mal, ob ich schon was sehe…“

Snorrebaard setzt sich unter sein Instrumentarium, und schaut in die dunkle Nacht hinein.

„Irgendwas stimmt noch nicht, Krullestaart…. Ich sehe lauter Noten!

„Nüsse, meinst du?“

„Nein Noten. Musiknoten! Die Erde folgt einem unendlich langen Notenbalken! Und guck mall, das vorne! Da kommt ein Da Capo angesaust – dass heißt, wir fangen wieder von Vorne an!“

„Kann nicht sein… Das sind vielleicht Planeten… oder Astroiden. Lass mich mal gucken!

Krullestaart schubst Snorrebaard zu Seite und schaut nach oben.

„Aber… aber, das sind doch keinen Notenbalken. Das ist eine Rennbahn! Und das ist kein Da Capo, das ist der Anfang der nächsten Runde!

Snorrebaard setzt sich, und grübelt…

„Ich hab’s!“ ruft er.

„Viele blicken gegen Ende des Jahres zurück. Das vergangene Jahr bekommt so ein eigenes Gesicht, eine Bedeutung oder sogar eine Bewertung, die weit über seine astronomische Größe – eine Runde um die Sonne – hinausgeht.“

„Das hier“, sagt er und zeigt stolz auf sein Instrumentarium „ist ein Gerät, um diese subjektiven Jahreswahrnehmung näher zu studieren!“

Krullestaart schaut ihn ungläubig an.

„Hier, wer durch die Seele der Weinflasche schaut, sieht seine eigene Spiritualität. Das Brillenglas erlaubt dir einen anderen Blick. Und die Lupe übertreibt das ganze Bild noch ein bisschen!“

„Aha!“ ruft Krullestaart. „Und dieses Bild, diese Metapher für deine Jahreswahrnehmung, nennen wir eine Annologie!“

Krullestaart wechselt den Identitätsfilter und schaut sich jetzt Snorrebaards Annologie an…

„ Eine recht sinnliche Jahreswahrnehmung würde ich mal behaupten. Aber es besteht die Gefahr, dass es eintönig werden könnte. Ich wünsche dir ein Adagio in A Dur, im Frühjahr unterbrochen von einem Allegro appassionata!“

„Geb her, jetzt will ich mal deine Annologie betrachten!“ sagt Snorrebaard. „Deine Rennbahn deutet auf eine eher verspielte oder sogar leistungsorientierte Einstellung hin. Es gibt aber jede Menge Emissionen von flüchtigen Ideen und Gedanken in deiner Umlaufbahn. Insbesondere zum Jahresanfang hängt immer noch ein Dunst von verpufften guten Vorsätzen vom letzten Jahr im All… Ich wünsche dir eine gute Fahrt, und dass die Flagge für die letzte Runde noch eine Weile ausbleibt!“

„Und Christian, wie sieht sein Jahr aus?“ fragt Krullestaart während er den Identitätsfilter nochmals wechselt.

„Ein Jahr wie eine Achterbahn?…. Nein. Hier hilft nur eins: Aussteigen und die gebahnten Wege verlassen!“

Wir wünschen dir ein glückliches Jahr 2010.

die Quatschtronauten.

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