Urlaubssimulator

Januar 27, 2012

Snorrebaard sitzt hinter seinem Laptop und motzt vor sich hin. „Work Life Diät“. Das ist viel leichter gesagt als getan. Will man all seine privaten und beruflichen Verpflichtungen hinter sich lassen und in Urlaub fahren, wird gleich die nächste Stresswelle ausgelöst: Angebote suchen, Koffern schleppen, schlechtes Wetter, harte Betten, nervige Touristen… Die Qualen der Reisenden werden bereits in unzähligen Blogbeiträge in all ihrer Vielfalt beschrieben.

Da kommt Krullestaart herein.

Snorrebaard, mein Freund, darf ich dich einladen?“ sagt er feierlich.

Mich? Wozu?“

Zu einem Test im weltweit allerersten Urlaubssimulator! Während du die letzten Tage Preise und Flugsicherheitsbeurteilungen hunderter Fluggesellschaften verglichen hast, habe ich an einer Erfindung gebastelt, damit wir bequem, ohne Stress, sicher und billig die schönsten Urlaubsziele erleben können. Folge mich bitte.“

Krullestaart führt Snorrebaard durch die Türe in seine Werkstatt. Aber anstatt wie üblich über Kisten mit Material und Werkzeug zu stolpern, betritt Snorrebaard einen Balkon mit einer fantastischen Aussicht auf den Hintersteiner See in Tirol. (Klick auf dem Bild zum Vergrößern)

Im Urlaubssimulator am Tiroler Bergsee, auf Safari, Kreuzfahrt oder zum Katastrofen Tourismus.

Während Snorrebaard sich im Liegestuhl erstmal von dieser Überraschung erholen muss, erklärt Krullestaart alle Features seiner Erfindung. Als er auf dem Kontrollpanel ein paar Knöpfe drückt, verwandelt sich die Umgebung in einen dunklen Urwald mit heftigem Tropenregen. Kurz darauf sitzt Snorrebaard auf dem Kabinendeck eines Eisbrechers, der sich den Weg durch das Polareis bahnt.

Guck, hier gibt es die Klingel für das Service Personal. Was hältst du von einem fünf Gänge Menu mit Aussicht auf der Champs-Élysées? Oder hast du lieber eine Thai Massage mit Meeresrauschen im Hintergund? Es gibt kein Erlebnis, dass nicht mit Hilfe der 180-Grad Projektoren, den Wettermaschinen, dem dolby surround System und dem qualifizierten Personal simuliert werden kann!“

Snorrebaard nickt zufrieden. Er braucht keine weitere Erklärungen.  Er ist schon im Urlaub.

Die Quatschtronauten


Work-Life Diät

Januar 19, 2012

Jeden Abend vor dem Schlafengehen überprüft Snorrebaard seine Work-Life Balance:

Hat er nicht nur Fachbücher aber auch Abenteuerromane gelesen?

Gibt es ebenso viele nette Kollegen wie auch nette Nachbarn?

Hat er genauso viele Tassen Kaffee wie Gläser Wein getrunken?

Gibt es die gleiche Menge an Kontakten in LinkedIn wie Freunde bei Facebook?

Hat er genauso viele Fernsehkanäle durchgezapt wie Powerpointfolien weitergeklickt?

Ist der Stapel ungelesener Marktstudien gleich hoch wie der Stapel ungelesener Zeitschriften?

Hat er heute exakt so viel Geld verdient wie er ausgegeben hat?

Hat er ebenso viel Kilometer im Stau gestanden wie er joggen gegangen ist?

Gab es nicht nur Meetings, aber auch ein romantisches Treffen?

….

Ja, keiner soll ihm vorwerfen können, dass er mehr in seine Karriere investiert wie sein Privatleben zu genießen. Oder natürlich umgekehrt. Kommt also an der einen Seite etwas dazu, dann muss auch auf der anderen Seite etwas anderes gegenübergestellt werden. Und so wachsen sowohl die berufliche als auch die private Verpflichtungen ständig an.

Zu viel work-life balance füht zu übergewicht und burn-out. Cartoon, Christian Ridder

Die schreckliche Folge: Langsam führt das Streben nach einer Work-Life Balance zum Work-Life Übergewicht: Eine neue Zivilisationskrankheit die bisher wenig Beachtung gefunden hat.

Da hilft nur eins: Alles fallen lassen.

Viel Glück

Die Quatschtronauten.


Touch Screen Transmitted Disease (TSTD)

Dezember 20, 2011

Es ist schon spät am Vormittag, als Snorrebaard in seinem Bademantel in die Küche hinein gestolpert kommt.

„Mir geht’s so schlecht,“ stöhnt er..

„Was ist los? “ will Krullestaart wissen. „Hast du gestern zu viel getrunken? Oder hast du etwa alten Schimmelkäse gegessen?“

Snorrebaard schüttelt den Kopf. Er ist zu kaputt, um antworten zu können.

„Hat dich vielleicht jemand mit der Grippe angesteckt?“

„Nee “ antwortet Snorrebaard leise. „Ich war die letzten Tage ja gar nicht drausen.“

Krullestaart betrachtet seinen Freund, der sich auf einem Küchenstuhl niedergelassen hat und den Kopf auf den Tisch legt, besorgt. „Was hast du dann gemacht? Irgendeine Erklärung muss es doch geben?“

Plötzlich piepst es. Krullestaart beobachtet, wie Snorrebaard sein neues Smartphone aus der Tasche seines Bademantels zieht und nachschaut, welche neue Nachricht ihn gerade erreicht hat.

„Na klar, ich hab’s!“ sagt Krullestaart. „Du hast TSTD!“

Aber Snorrebaard ist viel zu beschäftigt mit seinem Finger über die Oberfläche seines Telefons zu fahren und hört seinem Freund überhaupt nicht zu.

„Du hast ein Touch Screen Transmitted Disease“, wiederholt Krullestaart. „Das ist noch schlimmer wie ein Sexual Transmitted Disease.

Beim Wort Sexual horcht Snorrebaard endlich auf. „Wie bitte?“

Computer viren mutieren zu biologische Viren und werden durch Berührung übertragen

„Dein neues Smartphone ist schuld“ erklärt Krullestaart. „Bis vor kurzem konnten Computerviren nicht auf biologische Lebewesen übertragen werden. Es gab immer eine Tastatur oder eine Maus zwischen dir und deinem Rechner. Aber das hat sich durch die Einführung von Touchscreens rasant geändert: Jetzt kommt der Nutzer direkt mit den elektronischen Viren in Berührung“

„Ich kann mich doch nicht mit einem Computervirus angestecken!“ antwortet Snorrebaard skeptisch.

„Früher nicht. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis der Code so mutierte, dass er uns auch gefährden konnte. Warte…“

Krullestaart nimmt Snorrebaards Smartphone und zaubert in wenigen Handgriffe den Sourcecode des Übeltäters auf den Schirm.
Nutzer wird vom Computer Virus angesteckt, Cartoon

„Schau mal: Programmiercode hat seit kurzem analoge Formen angenommen und ist nun auch für reale Lebewesen schädlich geworden! Devil_in_desguise.TSTD ist das ansteckendste Virus, das momentan grassiert. Hat es einmal in deinen Finger gepieckst, verteilen sich die Teufelchen ganz schnell in deinem Körper.“

Snorrebaard wird noch blasser als er eh schon war. „Und jetzt?“

„Nun ja… das Problem ist, dass der körpereigene Abwehrmechanismus noch nicht auf diese neue Art von Eindringlingen reagiert. Da müssen wir zuerst noch ein bisschen nachhelfen.“

„Wie denn?“
(Klick auf dem Bild zum Vergrößern)

„Mit einem Anti-Virus natürlich,“ antwortet Krullestaart. „Der Wettlauf zwischen bösen und guten Programmierern hat sich bereits auf die neue Kampfzone ausgebreitet. Mein iPad habe ich gerade mit dem entsprechenden Anti-virus Programmen aktualisiert: Gardian_Angels.TSTM soll Abhilfe schaffen.“

Das Anti-Virus hilft das mutierte Computervirus zu vertreiben

Erwartungsvoll streichelt Snorrebaard das Bild.

„Ich glaube, mir geht’s schon besser…“

Die Quatschtronauten


Die Ideebamme

September 26, 2011

Einige Zeit war es ziemlich ruhig auf der Quatschgrube gewesen. Um so mehr überrascht es Snorrebaard, dass er auf einmal ein dumpfes Gestöhne vernimmt.

„Ooaaaah ….ooaaa…oooh… Ah!“

„Was ist denn das?“ Besorgt schaut er sich um.

Das Stöhnen geht in ein leises Gewimmer über.

Krullestaart? Snorrebaard spitzt die Ohren. Ist das sein Freund, der da diese komischen Geräusche von sich gibt? Wann hat er Krullestaart denn zum letzten Mal gesehen? Das könnte schon einige Tage her sein. Hatte er nicht einen etwas verwirrten Eindruck gemacht?

Schnell macht er sich auf die Suche nach seinem Freund. Kaum an seiner Bürotüre angekommen, hört eindeutig Snorrebaards Stimme.

„Aaaaah! … Aaaaah!… Aaaaah!“ schreit dieser.

Snorrebaard zweifelt kurz. Darf er das Zimmer betreten?

Er legt sein Ohr an die Türe und lauscht gespannt. Da hört er eine zweite Stimme leise, aber bestimmt sagen: „Krullestaart, atme gleichmäßig und tief! … So ist gut! Ich sehe schon was … Eine glänzende Idee … Lass sie raus, Krullestaart!“

Ein Schrei: „Oaaoaoahaaaaaooaaauuu!“ gefolgt von einer unheimlichen Stille.

Als Snorrebaard an die Türe klopft, öffnet eine alte Frau.

„Keine Angst, junger Mann“, sagt sie lächelnd. „Alles ist gut gegangen. Die Idee hat Hand und Fuß. Krullestaart war sehr tapfer.“

Noch bevor Snorrebaard etwas sagen kann, schlüpft sie an ihm vorbei und verschwindet.

Vorsichtig betritt er das Büro.

„Alles in Ordnung, Krullestaart?“

Krullestaart sitzt am Rand einer Liege. Er antwortet nicht, schaut aber entrückt auf ein Bündel, das er zärtlich in seinen Armen hält. Snorrebaard beugt sich neugierig über Krullestaarts Schultern und begutachtet es.

„Wow!“ Snorrebaard ist hellauf begeistert. „Wie bist du denn da drauf gekommen!“

Krullestaart zeigt auf eine Tafel an der Wand.

„Schau, jeder trägt im Ansatz eine Menge gute Ideen mit sich herum. Werden sie nicht befruchtet, ausgetragen und zur Welt gebracht, erblicken sie nie das Licht der Welt.

Die Ideebamme hilft bei der Befrüchung, Schwangerschaft, Geburt und Entfaltung guter Ideen

Snorrebaard nickt. Er überlegt. Wann hatte er zuletzt eine fruchtbare Periode?

Krullestaart scheint seine Gedanken zu erraten und steckt ihm ein Kärtchen zu.

„Hier, das ist die Telefonnummer der Ideebamme die du gerade gesehen hast. Sie hat mir nicht nur bei der Geburt geholfen. Sie kennt auch eine gute Adresse für künstliche Inspiration. Manchmal muss man der Natur auf die Sprünge helfen, wenn es auf Anhieb nicht klappt!

„Danke“ sagt Snorrebaard und steckt das Kärtchen sorgfältig weg.

Er betrachtet noch einmal die frisch geborene Idee Krullestaarts. Es gibt nur wenig, dass einen so berühren kann, wie eine kleine leuchtende Birne. Ob sie schon einen Namen hat?

Plötzlich verspürt er selbst ein leichtes Zucken im Bauch… Ja, er hat schon Eine!

„Eureka…“

Die Quatschtronauten


Rettungsplan für Holland und die Welt

Juni 8, 2011

Krullestaart kommt klatschnass aus dem Badezimmer gerannt.

„Snorrebaard, hast du meinen Frack gesehen?“

„Deinen Frack? Nö… ich wusste nicht mal, dass du einen hast.“

„Hmm… das ist schlecht,“ sagt Krullestaart. „Es könnte sein, dass ich plötzlich den Nobelpreis in Empfang nehmen muss.“

„Den Nobelpreis? Aber der wird doch immer erst in Oktober vergeben, oder?“, fragt Snorrebaard.

„Ja, das stimmt schon. Aber weißt du, da ich gerade die Welt gerettet habe, weiß man nie ob das Komitee vor lauter Begeisterung die Nobelpreisverleihung vielleicht vorverlegt. Außerdem ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Niederländische Königin mich in den Ritterstand befördern wird.“

Snorrebaard hebt die Augenbrauen. „Moment mal. Du hast die Welt gerettet? Wie denn das?“

Krullestaart grinst. „Komm mal mit“, sagt er, nimmt seinen Freund an die Hand und führt ihn ins Badezimmer.

„Ich hatte vorher in der Badewanne eine geniale Idee wie die Welt gerettet werden kann. Eigentlich ist es ein Wunder, dass keiner vor mir darauf gekommen ist. Aber so ist das nun mal mit welterschütternden Einsichten.“

Snorrebaard hört kaum zu. Er schaut auf die volle Badewanne. Der Hahn ist aufgedreht und das Wasser läuft fast über. „Ist der Hahn kaputt?“ fragt er besorgt.

„Nein, das ist ein Model das die Folgen der Klimaveränderung hinsichtlich der Höhe des Meeresspiegel simuliert. Das Bad ist die Nordsee, die Wanne ist ein Deich und auf dem Boden des Badezimmers wohnen die Holländer“

Krullestaart betrachtet die Situation nachdenklich. „Ganz das Gleiche ist es aber nicht. Durch das Überlaufloch oben in der Wanne fließt das überflüssige Wasser ab. Außerdem könnten wir einfach den Stöpsel ziehen“

„Genau, du hast es verstanden! Genau diese Lösungen werde ich den Holländern vorschlagen, um zu vermeiden, dass ihr Land durch Meeres- oder Flusswasser überschwemmt wird: Ein Abfluss in der Nordsee und Überlauflöcher an den Flussdeichen entlang.“

Snorrebaard muss schmunzeln. Wie naiv von seinem Freund. Das Wasser kann doch nirgendwo hin.

Aber Krullestaart scheint seine Gedachten lesen zu können. „Und das Wasser…. fließt durch die Erde nach Australien!“

(Klick auf dem Bild zum Vergrößern)

Wasser fliesst durch dem Erdkerntünnel ab nach Australien. Holland bleibt trocken. Das Klima erstellt sich

Es dauert eine Weile, bis Krullestaart alle Details seines Rettungsplans für Holland und die Welt erklärt hat: Wie die Holländer durch das abfließende Wasser trockene Füße behalten werden, wie das Klima durch die neuen Regenwälder in Australien bald wieder zu seinem natürlichen Gleichgewicht zurückfindet wird und wie die Wasser- und Dampfturbinen im Magma-Tunnel genug Ökostrom erzeugen werden, um alle Atomkraftwerken abschalten zu können.

Als er endlich fertig ist klingelt das Telefon. Snorrebaard geht ran, gibt dann aber weiter an Krullestaart. „Für dich. Königin Beatrix möchte dich sprechen.“

Die Quatschtronauten


Der Konsumat

Mai 14, 2011

Mannomannoman! Krullestaart kann es nicht glauben. Warum werden Abermilliarden Euro in Staaten wie Portugal und Griechenland investiert, die vor dem Bankrott stehen? Wieso glauben die Europäische Finanzminister immer noch, dass sie damit die Wirtschaft dort wieder ankurbeln können? Die Problematik ist doch nicht, dass es kein Geld gibt: Der wahre Flaschenhals ist der Konsument!! Ein Blick in die Einkaufsstrassen, in denen die Leute ihre übervolle Einkaufstüten kaum mehr tragen können, zeigt, dass normale Konsumenten gar nicht im Stande sind noch mehr zu konsumieren, als sie es eh schon tun.

Produktion, verkauf, shop, konsumieren, konsument, arbeit, geldstrom, cartoon, Christian Ridder

Verursacht wird dieser Engpass durch einen unausgewogenen Automatisierungsgrad innerhalb der Wirtschaftsspirale. Viele wichtige Prozesse – Produktion, Transportlogistik, Kreditvergabe, Zahlungsabläufe – sind bereits vollständig automatisiert. Nur „das Konsumieren“ muss noch von Menschen selbst, statt von Maschinen oder Computer, erledigt werden. Und Menschen können mit der hohen Geschwindigkeit der anderen Wirtschaftsprozesse einfach nicht Schritt halten.

automatisierter Einkaufswagen bringt Wirtschaft in Schwung

Deshalb ist auf Europas Straßen seit Kurzem die neuste Erfindung der Quatschtronauten unterwegs : Der Konsumat. Dieser vollautomatische Einkaufswagen findet eigenständig seinen Weg zu den Geschäften, nimmt sich die Ware aus den Regalen, lädt sie in den Korb, und bezahlt an der Kasse mit der Kreditkarte von Herrn Wolfgang Schäuble. Der Großteil seines Geldes wird als Steuer, durch den Einzelhandel und die Hersteller, an die Staatskasse zurück gezahlt. Der Staat wiederum investiert in weitere Konsumaten. So kommt die Wirtschaft auch in Griechenland in nul-komma-nix wieder in Schwung!

Auf geht’s! (mit der Wirtschaftsspirale)

Die Quatschtronauten.


Prozessschleudertrauma

März 6, 2011

Als Snorrebaard die monatliche Statistik der Personalabteilung betrachtet, ist er völlig entsetzt: Wie kann es sein, dass der Krankenstand plötzlich doppelt so hoch ist wie normal?

Noch während er nachdenklich auf die Zahlen schaut, klingelt das Telefon.

„Schönen guten Tag, E-cheese GmbH, Snorrebaard am Apparat, was kann ich für Sie tun,“ meldet er sich.

An der andere Seite der Leitung entschuldigt sich sein Kollege Krullestaart, er könne heute nicht arbeiten. Er hat Kopfweh und es ist ihm schwindlig beim gehen.

„Und woher kommen die Beschwerden?“ möchte Snorrebaard wissen.

Krullestaart weiß es nicht.

„Aber überarbeitet bist du hoffentlich nicht, oder?“ fragt Snorrebaard vorsichtshalber nach.

„Nö…,“ antwortet Krullestaart. „Wieso soll ich denn überarbeitet sein? Nachdem du im Rahmen des anstehenden Börsengangs alle Entwicklungsbudgets eingefroren hast, gibt es eh nichts mehr für mich zu tun.“

Snorrebaard nickt stumm: jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um eine Grundsatzdiskussion über die Notwendigkeit eines umfassenden Business-review vom Zaun zu brechen, bevor der neue Kurs eingeschlagen wird. Er wünscht seinem Kollegen gute Besserung und legt auf.

Aber das Gespräch stimmt ihn dennoch nachdenklich. Könnte der hohe Krankenstand vielleicht durch die, vor kurzem angekündigte Betriebsänderungen, ausgelöst worden sein? Und wenn ja, durch was genau?

Krullestaart entscheidet, der Frage wissenschaftlich auf den Grund zu gehen. Nach kurzem Überlegen, fällt ihm auch schon der richtige Test dazu ein: Heute morgen wird ein Kollege aus der Designabteilung von seinem Urlaub zurückkehren. Wie wird er wohl reagieren, wenn er von den letzten Firmenereignissen erfährt? Kurzerhand installiert Snorrebaard eine Webcam, damit er den Designkollege beim Lesen seiner E-Mails unauffällig beobachten kann. (Natürlich verstößt das gegen die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter. Snorrebaard beschließt jedoch sich darüber hinweg zu setzten, zu Gunsten der Gesundheit seiner Angestellten.)

Kaum hat der Kollege sein E-Mail Programm hochgefahren, wird er – wie von Geisterhand – auf seinem Bürostuhl hin und her geschubst: Beim Lesen einer alten E-Mail mit dem Betreff: „Prototypen müssen 2 Wochen früher fertig sein“ sieht man wie sein Körper sich auf die Beschleunigung einstellt. Bei der Nachricht „All Projects on hold“, knallt er mit seiner Nase gegen der Monitor. Und die jüngste Mitteilung, dass die E-Cheese GmbH bald an die Börse gehen wird, versetzt seinen Bürostuhl in ein unkontrollierbares Schleudern. Kurz bevor der Proband sein Bewusstsein verliert, greift Snorrebaard in den Versuch ein.

Der Test belegt: ähnlich wie ein Rennfahrer ständig wechselnden Beschleunigungskräften (G-Kräfte) ausgesetzt ist, sind Büroarbeiter sogenannten „Iterationskräften“ (I-Kräfte) unterworfen. Insbesondere zum Ende der Entwicklungsphase und zum Anfang eines Kurswechsels sind die Belastungen extrem, was sich durch hohe Personalausfälle bemerkbar macht. Wenn dann auch noch der Betriebsprozess plötzlich ins Stocken gerät, der Mitarbeiter aber im Kopf noch in voller Geschwindigkeit unterwegs ist, kann durch den abrupten Bremsvorgang sogar ein Prozessschleudertrauma ausgelöst werden.

Iterative Prozesse und Iterationskräfte können ein Prozessschleudertrama auslösen

Obwohl das Problem sehr komplex ist, ist die Lösung denkbar simpel. Snorrebaard greift zum Telefon. „Hallo Krullestaart? Ich hab’s! Du hast bloß ein Prozessschleudertrauma erlitten. Gehe bitte zum Orthopäden und lass dir eine Halskrause verschreiben. Auf der Quatschgrube liegt noch ein Spielzeugrennwagen herum. Ich werde die Sitzschale ausbauen und dir einen I-Kraft-resistenten Arbeitsplatz einrichten.“

„Wie… du verlangst Schmerzensgeld?“

Die Quatschtronauten


Der Love-generator

Februar 14, 2011

Um Punkt 06:53 Uhr wird Snorrebaard plötzlich wach. Sein Herz klopft wie wild. Er hört das Blut durch seine Adern rauschen. Ein Kribbeln im Magenbereich breitet sich in seinem ganzen Körper aus…. Was ist in ihn gefahren?

Er hüpft aus seinem Bett, rast ins Badezimmer und betrachtet sich im Spiegel. Er sieht ganz normal aus, vielleicht sogar ein bisschen besser als sonst. Sein Spiegelbild schaut mit roten Backen und einem strahlenden Lächeln zurück. Na dann, vielleicht ist er heute einfach mit dem richtigen Bein aufgestanden!

Snorrebaard zieht seinen Bademantel an und geht pfeifend in die Küche. Dort sitzt Krullestaart bereits am Küchentisch. Er lächelt und schaut verträumt an die Decke. Anscheinend ist sein Freund heute auch so gut gelaunt wie er. Aber was hat er da für eine seltsame Installation aus gedrehten Röhren vor sich aufgebaut?

„Guten morgen Krullestaart!“ sagt Snorrebaard fröhlich.

Krullestaart antwortet nicht. Er klatscht entzückt in die Pfoten und macht einen tiefen Seufzer.

„Krullestaart? Hallo?“

Snorrebaard fuchtelt mit seinen beiden Hände vor Krullestaarts Gesicht herum, aber seine glasigen Augen starren unverändert durch ihn hindurch. Das ist ja komisch! Hat sein seltsames Verhalten vielleicht etwas mit dieser Installation auf dem Tisch zu tun? Snorrebaards Augen folgen dem Lauf der Röhren bis diese unter dem Tisch verschwinden, dort surrt eine Pumpe leise vor sich hin.

„Aha!“ Resolut zieht er den Stecker.

Kaum hat die Pumpe aufgehört zu brummen, kommt Krullestaart langsam wieder zu sich. „Oh, hallo… Snorrebaard… Ich habe dich gar nicht rein kommen hören!“

„Kannst du mir bitte erklären, was heute los ist?“ fragt Snorrebaard angesäuert.

„Weißt du das denn nicht? Heute ist Valentinstag!“ sagt Krullestaart, immer noch mit einem Lächeln auf den Lippen.

„Und was – bitte sehr – hat diese eh… Hypnose-Maschine mit dem heutigen Valentinstag zu tun?“

„Komm, mein Lieber, rede bitte nicht so verächtlich über meine neueste Erfindung.“ Krullestaart steht auf und streichelt die spiralförmige Röhre. „Dieses Gerät ist ein Love-Generator.“

Stolz erklärt er weiter: „Du kennst doch das Phänomen des Elektro-Magnetismus? Dabei wird durch einer elektrische Spule ein magnetisches Feld erzeugt.“

Eektromagnetismus: Eine elektrische Spule erzeugt ein magnetisches Feld.

„Genau so funktioniert das mit der erotischen Anziehungskraft, dem Ero-Magnetismus.“

Snorrebaard zieht die Augenbrauen hoch. „Ero-magnetismus?“

„Dass Verliebtheit etwas mit dem Testosteronspiegel im Blut zu tun hat, ist schon lange bekannt. Ich habe jedoch entdeckt, dass die Testosteron-Teilchen im Blutkreislauf  eine ähnliche Wirkung haben, wie die Elektronen im Stromkreis: Der Blutkreislauf funktioniert als Induktionsschleife und erzeugt im Kopf und im Bauch eine Ero-magnetische Spannung. Durch die Unterschiede im Hormonhaushalt zwischen Männer und Frauen, ist die Ausrichtung ihrer ero-magnetischen Felder entgegensetzt. Das erklärt die gegenseitig Anziehungskraft,“ doziert Krullestaart. „Insbesondere in den erogenen Zonen.“

Ero-magnetismus: Die erotische Anziehungskraft zwischen Mann und Frau, erzeugt durch Testosteron im Blutkreislauf

„Und dein Love-Generator, wie funktioniert der dann genau?“, möchte Snorrebaard wissen.

„Ganz einfach,“ sagt Krullestaart. „Ich pumpe eine Testosteronhaltige Flüssigkeit durch eine spiralförmige Röhre und erzeuge so ein extrem starkes, ero-magnetisches Feld.“

Der Love-generator: Testosteron haltive Lösng wird rundgepumpt und erzeugt ein künstliches Liebesinduktionsfeld

Snorrebaard nickt. So also lässt sich seine eigene gute Laune beim Aufstehen plausibel erklären!

Langsam wird ihm die Tragweite von Krullestaarts Erfindung bewusst. Stell dir vor, …. Der Love-Generator als therapeutisches Mittel gegen Depressionen, als speziale Attraktion in Diskotheken, als Lösung von Kriegskonflikten, als Inspirationsquelle für Künstler, als … – schell steckt er den Stecker zurück in die Steckdose – … als Valentinsgeschenk für die Welt!

Die Quatschtronauten.


Dow Jones Syndrom

Januar 19, 2011

Das positive Konsumklima in den letzten Dezemberwochen hat den finanziellen Erfolg der E-Cheese Company noch einmal richtig in die Höhe getrieben. In der Kategorie Küchen-Elektronik waren die Käsedrucker das am meisten verkaufte Geschenk für unter den Weihnachtsbaum. Auch die „Champagner-Edition“ der Vidi-Vino Bilder war ein großer kommerzieller Erfolg: Am Silvesterabend wurde das cauliflower-powerhosting System durch die zahlreichen Downloads fast zum Absturz gebracht. Was können die Quatschtronauten tun, damit sich der Aufschwung im neuen Jahr fortsetzt?

Als Snorrebaard zum ersten Jour Fix des neuen Jahres das kleine Besprechungszimmer betritt, muss er sich an dem „einarmigen Berater“ vorbei drängen.

„Krullestaart, was tut dieses Gerät hier im Raum?“, fragt er.

„Weißt du das nicht mehr? Diese Maschine hilft uns bei unserer strategischen Kursbestimmung.  Seine letzten Empfehlungen haben sich als absolut richtig erwiesen…“

Snorrebaard nickt zustimmend.

„Und jetzt,“ sagt Krullestaart, „möchte ich wissen, wie wir noch besser werden als im letzten Jahr!“

Er schiebt ein 500€ Schein in den Schlitz und hängt sich am den Hebel.

„Achtung….“

Als er den Hebel los lässt rattert die Maschine einen Moment weiter, bis sich drei Wörter in der Mitte des Fensters einpendeln: „AN, DIE, BÖRSE.“

„An die Börse?“ liest Krullestaart sichtbar enttäuscht vor. „Das bedeutet also kein neues Spielzeug für meine Werkstatt? Keine Entwicklung von weiteren digitalen Delikatessen?“

Snorrebaard´s Augen dagegen leuchten… „An die Börse! … Dass ich da nicht früher darauf gekommen bin! Wer in der ersten Liga der Innovationsgiganten mitspielen will, braucht jede Menge Investmentkapital: mehr als wir jemals erwirtschaften können. Die Emissionserlöse würden völlig neue Geschäftsdimensionen ermöglichen…“

Krullestaart ist eher skeptisch. „Weißt du eigentlich was das bedeutet, an die Börse gehen? Wir werden Sklaven des Finanzmarktes! Willst du unsere Autonomie wirklich aufs Spiel setzten?“

„Ach, die Investoren interessieren sich doch nur für die Kursentwicklung.“ versucht Snorrebaard seinen Kollegen zu beruhigen.  „Wenn die Zahlen stimmen, können wir machen was wir wollen.“

„Genau das ist das Problem! Die Kursentwicklung ist doch völlig unkontrollierbar! Aktienmärkte verhalten sich wie psychisch gestörte Patienten, die ohne rationellen Grund in Hysterie ausbrechen oder in Depressionen verfallen. Warte….“

Krullestaart macht sein Laptop auf und zaubert in wenigen Klicks den Wertverlauf seines Aktiendepots hervor. „Das ist doch der reinste Wahnsinn, oder?

Der Aktienkurs als psychisch gestörter Patient

Snorrebaard schweigt. Ein bisschen muss er Krullestaart schon Recht geben. Kurse entwickeln sich eher nach psychologischen, als nach wirtschaftlichen Prinzipien. Aber ist der Kern des Problems nicht gleich wohl auch der Kern der Lösung?

„Komm, gehen wir in mein Büro“, fordert er seinen Freund auf.

Krullestaart nimmt den Laptop unter den Arm und folgt ihm neugierig nebenan.

„Machen Sie es sich bitte bequem“, sagt Snorrebaard und zeigt auf eine Liege am Fenster.

Verdutzt legt sich Krullestaart hin.

Snorrebaard schiebt seinen Sessel heran und nimmt Platz.

„Jetzt schauen sie sich Ihr Depot noch mal genau an…. Welche  Gedanken kommen in Ihnen hoch?“

„So eine Scheiße…“

Snorrebaard biegt sich nach vorne und redet bestimmt aber ruhig auf Krullestaart ein: „Versuchen Sie sich mal in ihre Wertpapieren einzuleben: Seit Monaten leiden diese am Dow Jones Syndrom und alle finden sie Scheiße. Logischerweise kämen Sie so nie aus Ihrer Depression raus, oder? Denken Sie doch mal positiv! Fällt ihnen vielleicht ein heiterer Ausruf ein, um ihre Aktien ein bisschen aufzumuntern?“

Verunsichert blickt Krullestaart Snorrebaard an. „Wow?“ sagt er leise.

„Wie bitte?“

„Wow.“

„Öffnen sie sich emotional für ihre Aktien. Lassen Sie es raus!“ feuert Snorrebaard ihn an.

„WOW!!!“

„Sehr gut!“

Therapeutische Hilfe bei der positive Wahrnehmung des Aktiendepots

Auf Krullestaart´s Laptop macht die Kurslinie einen kleinen aber unverkennbaren Knick nach oben. Die mentalen Blockaden für einen erfolgreichen Börsengang sind behoben.

Die Quatschtronauten.


Eiszeit 2011

Januar 2, 2011

„Also, entscheide dich endlich wie du deine Miete bezahlen möchtest!“ sagt Krullstaart. „Entweder du schenkst mir alle deine Bahnhöfe, oder du musst auch noch auf deine letzte Strasse eine Hypothek aufnehmen!“

Verzweifelt schaut Snorrebaard auf die Uhr. Wann ist es endlich Mitternacht? Wenn es bloß schon zwölf Uhr schlagen würde. Nur so wäre die Runde Monopoly frühzeitig beendet und er würde aus seiner aussichtslosen Situation erlöst werden. Die Zeit jedoch scheint im Laufe des Abends immer träger voran zu schreiten. Standen die Zeiger der Uhr, als er das letzte mal am Start vorbei kam, nicht auch schon auf zwei vor Zwölf? „Krullestaart, hier stimmt etwas nicht“, sagt er. „Ich glaube, die Uhr ist stehen geblieben!“

„Ach Quatsch, ich habe letzte Woche erst die Batterien gewechselt.“

„Nein, aber wirklich… schalte doch mal den Fernseher an. Ich möchte sicher sein, dass wir  Mitternacht nicht verpassen.“

Auf dem Fernsehbild ist eine Uhr zu sehen, im Hintergrund ein Weihnachtsbaum. Auch auf dieser Uhr ist es zwei Minuten vor zwölf.

„Siehst du, alles in Ordnung,“ sagt Krullestaart zufrieden. „Also: Bahnhöfe oder Hypothek?“

„Aber schau doch mal genau hin: Sogar auf dem Fensehbild ist der Sekundezeiger stehen geblieben!“

„Was läuft denn auf den anderen Kanälen?“ fragt Krullestaart.

Hektisch zapt Snorrebaard herum. Im Zweiten spielt ein Orchester den ersten Satz aus Beethovens neunter Symphonie in Endlosschleife. Auf Pro 7 halten alle prominenten Persönlichkeiten, die zur Silvestergala eingeladen sind den Mund und rühren sich nicht.

Jetzt wird auch Krullestaart stutzig. „Was ist los? Es scheint, als ob die ganze Welt stehen geblieben ist.“ Er läuft zum Fenster und schaut zum Sternenhimmel hinauf. „Ob die Erde sich noch dreht?“ flüstert er. „Ich hab´s, lass uns durch das Annologoskop schauen! Vielleicht finden wir dann heraus, was hier vor sich geht!“

Schnell holen die beide Quatschtronauten das Gerät, mit dem sie letztes Jahr an Sylvester die subjektive Jahreswahrnehmung beobachtet hatten, aus dem Keller und bauen es vor dem Fenster auf. Krullestaart sucht durch das Objektiv den Himmel ab. „Ich glaube, dort am Firmament sollte unsere aktuelle Position auf der irdischen Zeitachse sichtbar sein…“

eiszeit 2011

„Unglaublich!“ ruft Krullestaart aus. „Nicht nur die Welt ist im Winterchaos versunken: Sogar die Zeitachse ist eingefroren!“

Snorrebaard schupst Krullestaart auf die Seite, so dass er selbst durch das Annologoskop schauen kann. Tatsache, 2011 wird von einer dicken Eisschicht bedeckt. „Könnten wir keinen Schneepflug hinauf schicken?“ fragt er.

„Die sind alle im Einsatz und räumen die normale Strassen. Für die Milchstrasse gibt es keine Kapazität.“

„Vielleicht können wir die Zeitachse enteisen? So wird das doch auch bei Flugzeugen gemacht.“

„Die Vorrattanks mit Enteisungsmittel sind alle leer und die Tanklaster mit Nachschub stecken auf der Autobahn fest.“

Snorrebaard schluckt. „Heisst das, wir müssen so lange Monopoly spielen, bis endlich Tauwetter einsetzt?“

Krullestaart lehnt sich entspannt zurück und lächelt „Weißt du, wir müssen ja nicht warten, bis die Zeitachse freigeräumt ist und uns geradlinig in der Zukunft führt. Komm, wir ziehen uns warm an, dann schlittern wir einfach ins neue Jahr hinein.“

Erleichtert räumt Snorrebaard das Spiel zusammen und zieht sich eine Mütze über die Ohren.

„Also dann, … einen guten Rutsch!

Die Quatschtronauten.


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